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Was ist Leichtigkeit?

Was ist Leichtigkeit?

Was fühlst du, wenn du an Leichtigkeit denkst? Wie fühlt sich dein Körper an? Wie dein Kopf? - Ich fühle mich bei dem Gedanken, als könnte ich schweben. Meine Gedanken sind frei. Mein Körper fühlt sich schwerelos an. Es scheint, als wäre alles möglich.

Es gibt keine passende, allgemeingültige Definition für Leichtigkeit. Bevor ich definiere, was Leichtigkeit für mich bedeutet, möchte ich drei Begriffe beleuchten, die oft mit Leichtigkeit verwechselt werden.

Sorglosigkeit

Wir alle haben Sorgen, große oder kleine. Wirkliche Sorgenfreiheit gibt es daher nur theoretisch (oder bei kleinen Kindern). Bei Erwachsenen entsteht Sorglosigkeit meist dadurch, dass wir unseren Sorgen aus dem Weg gehen oder sie sogar aktiv vermeiden. Kurzfristig fühlen wir uns besser, doch auf lange Sicht holt uns diese Vermeidungsstrategie ein.

Besser ist es sich den Sorgen und Ängsten zu stellen, so dass sie uns im besten Fall nicht mehr belasten. Das Hinschauen ist unbequem und manchmal schmerzvoll, doch allein durch das Akzeptieren nehmen wir ihnen etwas von ihrer Kraft.

Wissenschaftliche Grundlage

Erlebnisbasierte Vermeidung (engl. experiential avoidance) bezeichnet den Versuch, unangenehme innere Erfahrungen — Gedanken, Gefühle, Empfindungen — zu vermeiden. Steven Hayes hat das Konzept Mitte der 1990er-Jahre geprägt und in mehreren Studien gezeigt: Vermeidung verringert die Belastung kurzfristig, erhöht sie aber langfristig, weil das Vermiedene weder verschwindet noch verarbeitet wird.

Nicht jede Vermeidung ist pathologisch. Pathologisch wird sie erst, wenn sie trotz hoher Kosten, Nutzlosigkeit oder Lebensverzerrung fortbesteht.

Hayes, S. C., Wilson, K. G., Gifford, E. V., Follette, V. M., & Strosahl, K. (1996). Experiential avoidance and behavioral disorders. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(6), 1152–1168.

Flow

Flow ist ein Zustand, bei dem wir vollkommen in einer Aufgabe oder Tätigkeit versinken und dabei alles um uns herum vergessen. Die Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit genau die richtige Schwierigkeit hat. Ist sie zu leicht, langweilen wir uns schnell. Ist sie dagegen zu schwer, fangen wir mitunter gar nicht erst an. Die Aufgabe muss uns fordern, ohne uns zu über- oder unterfordern.

Flow ist damit ein dynamisches und fragiles Gleichgewicht aus eigenem Können und Schwierigkeitsgrad der Aufgabe. Folglich müssen die Tätigkeiten komplexer werden, wenn wir besser werden.

Flow existiert auch unter diesen Bedingungen nur für einen gewissen Zeitraum. Danach kommen wir in unseren "Normalzustand" zurück.

Wissenschaftliche Grundlage

Vier Erlebnisquadranten (engl. Quadrant Model of Flow): Massimini und Carli (1988) konkretisieren Flow als einen Zustand, in dem die wahrgenommene Anforderung und das wahrgenommene Können beide über dem persönlichen Durchschnitt der jeweiligen Person liegen. Der Nullpunkt im Modell ist deshalb kein objektiver Maßstab, sondern individuell — und derselbe Anlass kann für die eine Person Flow erzeugen und für eine andere Angst oder Apathie auslösen.

Vier-Quadranten-Modell

Massimini, F., & Carli, M. (1988). The systematic assessment of flow in daily experience. In M. Csikszentmihalyi & I. S. Csikszentmihalyi (Hrsg.), Optimal Experience: Psychological Studies of Flow in Consciousness (S. 266–287). Cambridge: Cambridge University Press.

Glück

Wenn man uns fragt, wollen wir alle gerne glücklich sein. Nicht nur kurzes Glück, sondern tief empfundenes, lang anhaltendes Glück.

Es gibt drei Einflussfaktoren für anhaltendes Glück: Genetik (50-80 %), Lebensumstände (10-15 %) und intentionale Aktivität (10-40 %). Genetik können wir nicht ändern. An bessere Lebensumstände gewöhnen wir uns schnell. So sind etwa Lottogewinner nach dem ersten Jahr auch nicht glücklicher als vorher. Daher ist der wirkliche Hebel die intentionale Aktivität.

Damit sind Handlungen gemeint, die wir uns selbst aussuchen und die unserem Herzen entstammen. Das schönste Tagebuch, auch gewissenhaft ausgefüllt, wird uns nicht glücklich machen, wenn wir es als weitere Pflicht empfinden. Ein einfaches Heft mit kleinen Zeichnungen dagegen schon, auch wenn diese objektiv nicht schön sind. Es geht darum die Aktivität zu finden, die ins Herz trifft und nicht den Verstand.

Wissenschaftliche Grundlage

Hedonische Adaptation (engl. hedonic adaptation oder hedonic treadmill) bezeichnet die Tendenz des Menschen, sich an konstante Lebensumstände rasch zu gewöhnen — positive wie negative. Der Begriff geht auf Brickman und Campbell (1971) zurück. Lyubomirsky, Sheldon und Schkade haben ihn 2005 in ihr Modell der Architektur nachhaltiger Veränderung eingebettet und gezeigt, dass dieser Mechanismus erklärt, warum Lebensumstände nur 8–15 % der individuellen Glücksunterschiede ausmachen. Intentionale Aktivität dagegen entgeht der Adaptation, weil sie episodisch und variierbar ist — das macht sie zum eigentlichen Hebel für nachhaltige Steigerung.

Lyubomirsky, S., Sheldon, K. M., & Schkade, D. (2005). Pursuing happiness: The architecture of sustainable change. Review of General Psychology, 9(2), 111–131. https://doi.org/10.1037/1089-2680.9.2.111

Was ist Leichtigkeit?

Leichtigkeit nach meinem Verständnis ist eine Art zu leben. Sich den Sorgen stellen, arbeiten im Flow und tief empfundenes Glück aus gemeisterten Herausforderungen ziehen. Ein Leben mit Herausforderungen, ständiger Veränderung, neuen Zielen, mit Scheitern und Erfolg.

Leichtigkeit ist eine Grundhaltung. Sie ergibt sich aus Klarheit und Handeln. Klarheit darüber wer ich bin, was ich will und was nicht. Und dann nach diesem Leitbild zu handeln. Im Kleinen, wie im Großen.

Struktur ist das, was mich durch ein leichtes Leben trägt. Gewisse Routinen und Gewohnheiten; Strukturen, die nicht einengen, sondern mir die Freiheit geben, mein Leben so leicht zu gestalten, wie ich es möchte.

Leichtigkeit ist nicht das Ziel. Sie ist die Bewegung dorthin.

Das Gegenteil von leicht ist für mich nicht schwer; es ist verkrampft.